Von seiner Teilnahme am HSK-Osteropen 2026 berichtet Henry Sabourin:

70 Spieler, ein Elo-Schnitt von etwa 1800, ganze 13 Spieler über 2000 – das HSK Oster-Open 2026 war alles andere als ein gemütliches Wochenendturnier. Gespielt wurde sieben Runden Schweizer System mit ordentlich Bedenkzeit (75 Minuten + 30 Sekunden pro Zug und nochmal 15 Minuten ab Zug 40), also genug Zeit, um sowohl Glanzpartien als auch komplette Katastrophen zu produzieren. Ich ging als Nummer 32 ins Rennen – also ziemlich genau da, wo man weder ganz oben mitmischt noch seine Ruhe hat.
Runde 1: Pflichtsieg. Solide, unspektakulär, Haken dran. Runde 2: Und plötzlich sitzt man vorne. Gegner: Alexander Spät (2006 Elo). Jetzt wurde es ernst – und überraschenderweise auch richtig gut. In einer meiner besten Partien überhaupt gelang es mir, mit einem Opfer die Königsstellung meines Gegners komplett auseinander zu nehmen. Danach lief alles wie aus einem Guss. Am Ende stand nicht nur ein Sieg, sondern auch eine Partie mit ~98 % Genauigkeit – also fast schon verdächtig gut.

Harte Realität in Runde 3: FM Klaus Schmitzer. Ich wurde am nächsten Tag wieder sehr effektiv auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Keine Chance, keine Gegenwehr – einfach eine saubere schachliche Demontage. Immerhin wusste ich danach wieder, wo mein Platz in der Nahrungskette ist. Mit 2 aus 3 dachte ich mir: „Jetzt kommt bestimmt mal ein angenehmer Gegner.“ Natürlich nicht. Runde 4: Eugenio (2150 Elo), einer der Topgesetzten. Aber diesmal lief es besser: In einer spannenden Partie konnte ich ein Remis holen – und das fühlte sich fast wie ein Sieg an. Mit 2,5 aus 4 ging ich entsprechend gut gelaunt in den nächsten Tag.
Auf und Ab im Schweizer-System. Runde 5: Wieder ein richtig starker Gegner, früher deutlich über 2150. Ergebnis: Niederlage. Lektion gelernt (mal wieder). Runde 6: 12-jähriges Talent, letztes Jahr Fünfter. Diese Kategorie Gegner ist bekanntlich besonders gefährlich. Zum Glück lief es diesmal für mich: Mein Gegner wurde etwas zu gierig, ich konnte seine Dame einfangen, und plötzlich war ich der Erwachsene am Brett. Punkt für mich. Runde 7: Ein erfahrener Spieler mit knapp 2000 Elo. Eine solide Partie, am Ende Remis – und damit stand ich bei 4 aus 7.
Fazit: Erfolgreich, aber knapp vorbei. 4/7 Punkte, Platz 20 von 70, etwa +60 Elo – definitiv ein starkes Turnier für mich. Besonders die Partie gegen Spät und das Remis gegen einen 2150er bleiben hängen. Ganz ohne kleine „Was wäre wenn…“-Gedanken geht es aber nicht: Der Ratingpreis unter 2000 war zum Greifen nah. Ein Sieg in der letzten Runde – und dank meiner starken Buchholz wäre sogar ein Preis drin gewesen.
Am Ende hat genau dieser eine halbe Punkt gefehlt. Aber gut – man kann nicht alles haben. Ein Turnier mit allem dabei: Glanzpartien, Lehrstunden, ein gefangene Dame gegen ein Kind und die Erkenntnis, dass Meister doch noch ein Stück entfernt sind. Unterm Strich: Ein richtig schönes Turnier – und definitiv Lust auf mehr.
Ergebnisse: https://s1.chess-results.com/tnr1363917.aspx?lan=0&art=4&turdet=YES&SNode=S0