Liebe Schachfreunde,
letzten Donnerstag hat mir nach der Beisetzung von Lisa deren Sohn Kai ein altes Protokollbuch übergeben, welches er im Nachlass gefunden hatte. Darin war auf Seite 1 / 2 das Gründungsprotokoll unseres Vereines niedergeschrieben. Leider in Sütterlin. Damit war der Inhalt für mich nur teilweise lesbar.
Ich habe dann nach einem KI Programm zur automatischen Übersetzung / Transkriptierung von Sütterlin in Druckschrift gesucht und bin bei Transkribus.org fündig geworden. Also Seite 1, 2 des Protokollbuches photographieren und die Bilder hochladen. Ca. 1 Minute warten und dann das Ergebnis in eine Textdatei kopieren. Dann noch etwas manuelle Nachbearbeitung und schon war das Protokoll wieder lesbar.
Das Ergebnis findet ihr hier als PDF-Datei (Seite 1 und 2 die Bilder des Originals, dann die übersetzte Version in Druckschrift).
Ihr werdet sicher den einen oder anderen bekannten Ort oder Person wieder finden. Auch interessant finde ich, dass sich der Donnerstag anscheinend als Spielabend von der Gründung bis heute gehalten hat!
Viel Spaß beim Lesen.
Friedrich
BBEM in Munster
Bei der heutigen Bezirks-Blitz-Einzelmeisterschaft (BBEM) in Munster, die dieses Jahr mit 30 Teilnehmern als Rundenturnier ausgetragen wurde und damit jedem Spieler sage und schreibe 29 Partien abverlangte, waren drei Winsener am Start: Stephan Richter erreichte nach ziemlichem Fehlstart im unteren Tabellendrittel dank einer Siegesserie nach der Mittagspause mit 17,5 Punkten noch den 10.Platz, der Berichterstatter zeigte mal wieder die übliche Schwäche, Gewinnstellungen auch ins Ziel zu bringen und verpasste damit folgerichtig als 16. die obere Tabellenhälfte (15 Punkte), Julian Zeyn hingegen als Nicht-Unbedingt-Blitz-Spezi war mit seinen erreichten 12 Punkten auf Platz 21 ganz zufrieden.
Bezirksmeister wurde der Uelzener Hendrik Mittelstädt knapp vor dem Lüneburger David Rennkamp. Zur Schlusstabelle geht es hier.
Andreas Kozik gewinnt Lisas Open 2024

Anfang Mai ist jedes Jahr „Lisas Open“- Zeit, auch wenn die 36.Auflage am Sonnabend wegen des Todes seiner Namenspatronin Lisa Göcke natürlich in gedrückter Stimmung startete. Die Teilnehmer gedachten Lisa vor Beginn der 1.Runde mit einer Schweigeminute.
Mit insgesamt 29 Spielern war dieses Jahr ein Rückgang gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen, was hauptsächlich an der völligen Abwesenheit eines ganzen Bundeslandes lag: Kein einziger Teilnehmer eines Hamburger Vereins war dieses Mal am Start, vermutlich eine Premiere in der langen Geschichte des Turniers. Der Grund dürfte wohl ein zeitgleiches, hochdotiertes Turnier in Hamburg gewesen sein. Dafür waren immerhin gleich drei Bremer dabei, ferner zwei Vereinslose. Mit sieben Spielern stellten wir diesmal die meisten Teilnehmer – gehört sich natürlich für den Ausrichterverein auch so…
Zum Turnierverlauf, der sich einigermaßen überraschend gestaltete: Keiner der fünf DWZ-Favoriten mit >1900 Punkten konnte wirklich um den Turniersieg mitspielen, stattdessen übernahm der Siebte der Setzliste Andreas Kozik (SV Bad Bevensen) nach der 6.Runde die Tabellenführung, gab diese auch bis zum Schluss nicht mehr her und beendete das Turnier damit als Einziger ungeschlagen und als verdienter Sieger (8,5/11) vor Slavko Krneta (FG Wohlde), der sich als ältester Teilnehmer des Feldes den Vizemeistertitel erspielte (8/11). In der letzten Runde noch aufs Siegertreppchen sprang Ralf Schöngart (SF Buxtehude, 7,5/11). Bester Jugendspieler wurde Richard Bürgener (SV Bad Bevensen) als jüngster Spieler des Turniers – dass sowohl der älteste als auch der jüngste Teilnehmer unter den Preisträgern sind, dürfte ebenfalls eine Premiere in der Turniergeschichte sein…
Die Winsener Teilnehmer werden mit ihrem Abschneiden hingegen wohl weniger zufrieden sein – die meisten kamen unter ihrer Setzlistenplatzierung ins Ziel und landeten größtenteils im breiten Mittelfeld. Bester Winsener war diesmal Roman Schaut als Elfter.
Wir danken allen Teilnehmern für ein streitfreies Turnier und sagen auf Wiedersehen bis zum nächsten Jahr.
Die Abschlusstabelle, Fotos und sämtliche Preisträger auch der Ratinggruppe findet ihr wie immer auf der Turnierseite im Archiv.
Halbzeit bei Lisas Open 2024

Kleine Überraschung zur Halbzeit von Lisas Open 2024: Nach dem ersten Turniertag liegen nicht die DWZ-Favoriten, sondern die Nr.7 und die Nr.11 der Setzliste punktgleich vorne, nämlich der Bevenser Andreas Kozik und der Lüneburger Tim Schulze.
Hier ist die Tabelle zur Halbzeit (PDF): Stand nach der 6.Runde
Die Auslosung der nächsten Runde (OHNE GEWÄHR!): Spiele 7.Runde
Die komplette Teilnehmerliste und einige Fotos findet ihr wie immer auf der Turnierseite.
Wir trauern um Lisa Göcke
Leider haben wir die traurige Nachricht erhalten, dass Lisa Göcke am 1.Mai im Alter von 76 Jahren verstorben ist.

Lisa war über viele Jahre die Seele und der Dreh- und Angelpunkt unseres Vereins. Zum Schach stieß sie über ihren Sohn Kai, der als Jugendspieler bei uns aktiv war, bis sich auch Lisa 1979 das erste Mal an eine Turnierpartie wagte – obwohl sie kurz vor Turnierbeginn aufgrund der Marotten mancher Schachspieler fast noch Reißaus genommen hätte…
Zum Glück tat sie das nicht, wurde bald vom Schachvirus infiziert und nahm hiernach an etlichen Mannschaftskämpfen und Vereins- und Bezirksturnieren teil. Am Brett führte sie eine scharfe Klinge, auf Remis zu spielen kam für sie nicht in Frage. Gewann sie bei einem Turnier den sogenannten „Damenpreis“, lehnte sie die Annahme dieses „Trostpreises“ stets ab.
Lisa war jedoch nicht nur am Brett aktiv, sondern übernahm auch und vor allem viele weitere Aufgaben im Verein, zunächst 1985 als Turnierleiterin und als Mannschaftsführerin. Hatte ein Spieler die Anmeldung für ein Turnier verschlafen, durfte sich dieser auf einen Anruf von Lisa einrichten, die ihn freundlich, aber bestimmt dazu ermahnte, sich doch bitte noch anzumelden und teilzunehmen.
Darüber hinaus rief sie 1987 erstmals „Lisas Open“ ins Leben, das ursprünglich nur als kleines Schnellturnier für das nähere Umfeld geplant war, aber bald so populär und beliebt wurde, dass es bis heute weiter existiert und mittlerweile als Bezirks-Schnellschach-Meisterschaft ausgetragen wird.
Zudem übernahm Lisa als Jugendwartin auch die nahezu gesamte Betreuung der Kinder und Jugendlichen. 1993 wurde sie Vorsitzende. 2003 führte sie den Verein als einen der ersten im Bezirk als Webmasterin auch ins Internet und hatte damit allein im SV Winsen gleichzeitig fünf verschiedene Ämter inne – wer weiß, ob unser Verein ohne Lisas großen persönlichen Einsatz überhaupt noch existieren würde…?
Damit noch lange nicht genug, war sie auch im Schachbezirk Lüneburg für viele Jahre als Bezirksspielleiterin tätig. Es gab wohl im gesamten Bezirk in den 1990er bis 2010er Jahren keinen einzigen Vereinsspieler, der Lisa nicht kannte und ihr nicht bei irgendeinem Turnier oder Mannschaftskampf mal begegnet ist. Stets begleitet wurde sie dabei zuletzt von ihren Hunden (erst Sofia, danach Siri), die sie beide aus dem Tierasyl in Portugal gerettet hatte – wer erinnert sich nicht an die obligatorische Warnung Lisas vor Spielbeginn, alle Taschen mit Essen bitte gut geschlossen zu halten, weil Siri daraus gerne Leckereien stibitzte…?
Erst 2015 gab Lisa sämtliche Ämter ab und wollte sich nun ganz aufs Schachspielen konzentrieren. Leider blieben ihr dafür nicht viele weitere Jahre, 2020 spielte sie ihr letztes Vereinsturnier, das sie noch mit einer Ausbeute von über 50% abschloss. Danach ließen ihre nachlassende Gesundheit und Mobilität einen Besuch der Vereinsabende leider nicht mehr zu.
Wir trauern sehr um unsere ehemalige „Chefin“ und werden ihr stets ein ehrendes Andenken bewahren. Unser tiefes Mitgefühl gilt ihren Angehörigen.